Obszöner Rhododendron: BLACK NARCISSUS

Ich versuche wenn möglich immer mindestens einen Besuch bei der Retrospektive und beim Kinder- und Jugendprogramm „Generation“ in mein jährliches Berlinale-Programm einzubauen, vor allem weil in beiden Sektionen die Spaßgarantie am zuverlässigsten ist. Und tatsächlich war BLACK NARCSISSUS (GB 1947, R: Michael Powell, Emeric Pressburger) heute eine reine Freude in Türkis- und Pinktönen, ein knallbunter Nonnen-Exotismus-Gothic, schockvoll mit Frauen am Rande des Nervenzusammebruchs. Deborah Kerr spielt zähneknirschend beherrscht die junge Sister Clodagh, die mit fünf Gefährtinnen einen Klosterableger im Himalaya aufbauen soll. Das Gemäuer, ein ehemals reich verzierter, nun schäbiger Mätressensitz an dem es ständig windig ist, ist hoch auf einem Felsen gelegen. Unterhalb liegt ein misstrauisches Dorf, oberhalb sitzt ein schweigsamer Guru in den Bergen. Die einzige Verbindung zur Zivilisation ist Mr. Dean (David Farrar), ein kaum bekleideter stattlicher Engländer der sich in der Fremde deutlich zu sehr gehen lässt. Die blendendweißen Nonnen werden von dem zugigen und lasziven neuen Wohnsitz und dem ungewohnten Klima regelrecht zerpflückt. In jeder Szene zerrt der immerwährende Wind an den Habits und an der Tonspur. Schwester Philippa pflanzt auf einmal Blumen statt Gemüse, Schwester Clodagh erinnert sich an eine alte Liebe und Schwester Ruth entbrennt in rasender Eifersucht. Als alles schon am Zerfallen ist, blühen Rhododendron und Mangnolien auf und obszönes Pink überflutet die Leinwand, quasi als Einleitung zum Gothik-Finale, das in der Verwandlung einer Nonne in ein Ungetüm, bzw. eine Frau gipfelt und im Abzug der Nonnen, bzw. der Engländer aus dem Subkontinent nach fehlgeschlagener Zivilisierungsmission endet. Dann setzt, irgendwie erleichtert, der Regen ein. So schön. Powell hat BLACK NARCISSUS als seinen erotischsten Film bezeichnet.

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Hendrike Bake

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