Forum: CHAKI (The Gulls/Die Möwen)

201505604_3Die Freuden des Forums sind oft eher spröde, aber auch sprödes Vergnügen hat ja seinen Reiz. CHAIKI („Die Möwen“) ist ein Film aus Kalmückien, einer russischen autonomen Region am Kaspischen Meer, in der vor allem Mongolen leben. Die Regisseurin Ella Manzheeva erzählt von der Elza, Klavierlehrerin und Frau eines Fischers, der im Winter aufs Meer hinaus fährt um illegal zu fischen, verraten wird und nicht zurück kommt. Der Film beginnt damit, dass Elza ihre Sachen packt und zu einer Bushaltestelle geht, einem Betonplattending in der winterlichen Steppe, das mit Bildern wilder Pferde bemalt ist, und wie ein ironischer Kommentar auf mongolische Folkore wirkt. Der Bus fährt ohne sie, und in der nächsten Szene bereitet sie das Essen für ihren grobschlächtig wirkenden Mann in der beengt und dunkel wirkenden Küche zu. Fast den ganzen Film über ist keine Gefühlsregung in Elzas Gesicht zu erkennen, erst gegen Ende lächelt sie einmal. Die psychischen Zustände drückt allein die Kamera aus, die zunächst enge dunkle Räume, die kalte Weite der Landschaft, Fahrten durch das vernebelte Schilfdickicht beschreibt. Erst allmählich, und je mehr sich Elza von Zwängen befreit, wird eine prächtige Farbdramaturgie erkennbar. Die Kamera öffnet die Räume, auch in Elzas Haus, das längst nicht so klein ist, wie es zunächst wirkte, und in dem jedes Zimmer in einer eigenen Farbe gestrichen ist. CHAIKI ist ein visuell hinreißend gestalteter Film über die Emanzipation einer Frau, der zugleich viel über die patriarchale Struktur der kalmückischen Gesellschaft erzählt.

Tom Dorow

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